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Der Biotologe Yann

… geht auf Büffeljagd

Ein Biotologe lernt nie aus: In seinem achten Abenteuer darf Yann in Tansania mit Hamasi auf die Jagd gehen. Dabei erfährt er viel über dessen Volk der Hadzabe, die zu den letzten Jägern und Sammlern Afrikas gehören, und freundet sich in ihren Camps mit ihren Kindern an. Mit Pfeil und Bogen pirscht er dann durchs weite Buschland und versucht Hamasi dabei zu helfen, Nahrung für den Stamm zu erlegen. Ob er dieser großen Aufgabe gewachsen ist?

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Jim Gramming

Yann erlebte auf seinen Reisen rund um den Globus an vom Klimawandel bedrohten Plätzen für ihn inszenierte Geschichten – und erweiterte sie mit seiner Vorstellungskraft und Kreativität spielerisch zu aufregenden Abenteuern zwischen Fantasie und Wirklichkeit.

Sein Bruder, der Fotograf Jim Gramming, hielt das Geschehen vor Ort mit viel Einfühlungsvermögen in einzigartigen Fotoserien fest. Mit zahllosen spontanen Motivideen erschufen die Reisenden so eine ganz besondere Bildwelt, die mit den erdachten Geschichten eine unverwechselbare Einheit bildet.

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Details

Der Biotologe Yann ... geht auf Büffeljagd

Hardcover
Format: 28 x 24 cm
Seiten: 48
FSC zertifiziert, 100% Anteil Altpapier

ISBN: 978-3-944275-07-9

Preis: 14,50 €

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Glossar Volk der Hadzabe in Afrika

Yann ist ein Jahr lang an verschiedene Orte der Welt gereist. Daraus entstanden zwölf Geschichten. Die von ihm besuchten Landschaften sowie die dort lebenden Tiere und Menschen sind durch die Folgen des Klimawandels und die bedenkenlose Ausbeutung natürlicher Ressourcen in ihrer Existenz bedroht.

Das achte Abenteuer spielt in Tansania beim Volk der Hadzabe, den letzten Jägern und Sammlern Afrikas.

8. Abenteuer in Tansania

Die Hadzabe sind die letzten wirklichen Jäger und Sammler Afrikas. Das gesamte Volk besteht nur noch aus weniger als 1.000 Menschen. Davon lebt etwa die Hälfte nach den traditionellen Vorbildern und meidet den Kontakt mit Besuchern, doch durch die private Vermittlung eines Freundes erhielten wir die Möglichkeiten, einige Zeit mit traditionell lebenden Hadzabe zu verbringen.

Wie ihre Vorfahren vor vielen Tausenden Jahren, leben die Hadzabe nomadisch in großen Familiengruppen. Sie sind faszinierende Tierkundler, Spurenleser und Bogenschützen, bei denen Zeit keine Rolle spielt.

Sie siedeln nur noch am Ufer des Lake Eyasi in Tansania, Afrika, in vier von einander unabhängigen Gebieten. Genetisch unterscheiden sie sich stark von allen anderen Menschen. Es scheint sich bei ihnen um eine sehr frühe Abspaltung aus der menschlichen Entwicklungslinie zu handeln.

Die Hadzabe leben in Gruppen von 25 bis 30 Personen, die fast immer familiär zusammengehören. Während der Trocken-zeit verbringen sie die meiste Zeit unter freiem Himmel. Nur in der Regenzeit nutzen sie Felshöhlen oder die Frauen bauen leichte Hütten aus Zweigen, wildem Sisal und allem, was sie finden. Sie bleiben dann für einige Wochen in solchen Camps, die sie beim Verlassen nicht abbauen.

Männer und Frauen sind gleichberechtigt, bei klarer Arbeitsteilung. Die Frauen sammeln Beeren und graben Wurzeln aus, die Männer jagen und sammeln Honig. Sie rauchen Pfeife mit Marihuana oder Tabak.

Es gibt kein Privateigentum, das Essen wird geteilt.

Ebenso gibt es keine Hierarchien, keinen Häuptling. Bei Streitigkeiten wird nicht gekämpft, sondern der Unzufriedene
verlässt das Camp und zieht in ein anderes.

Frauen und Männer können sich jederzeit scheiden, die Kinder bleiben bei der Frau.

Die Sprache der Hadzabe ist eine Klicksprache. Man nimmt an, dass sich die Klicklaute aus der Notwendigkeit, sich möglichst unauffällig während der Jagd zu verständigen, ent-wickelt haben. Die Zahlworte gehen bis drei, alles andere ist „viel“ oder „sehr viel“.

Nur ein guter Jäger darf heiraten, am Epemme-Tanz teilnehmen und von den besonderen Fleischstücken essen. Die besten Jäger sind bei den Frauen auch am höchsten angesehen.

Die Hadzabe jagen alleine, da sie so dem Wild am nächsten kommen. Gemeinschaftliches Jagen gibt es nur bei großen Tieren. Traditionell wird mit Pfeil und Bogen gejagt. Erlegt ein Jäger ein Tier, so erhält seine Familie die Haut, die Innereien und besten Fleischstücke. Die Beute wird ins Camp gebracht, bei großen Tieren jedoch zieht das Camp zum erlegten Wild. Einen Bienenstock ins Camp zu bringen, gilt ebenfalls als Jagd.

Die Frauen sammeln Früchte des Affenbrotbaumes, Beeren, Knollen und Wurzeln, die sie mit speziellen Grabestöcken, „Waffe der Frau“ genannt, ausgraben. Sie tragen damit ungefähr zu 45 Prozent zur Ernährung ihrer Stämme bei. Dessen sind sich die Männer bewusst und dies scheint ein Grund zu sein, weshalb sie die Frauen respektvoll behandeln. Die Sammlerinnen werden zum Schutz von einem Jäger begleitet. Dieser sammelt auch Früchte und Beeren, gräbt aber nicht mit den Grabestöcken.

Eine gute Axt oder ein Messer sind sehr wertvoll. Beide werden als Werkzeug und nicht als Waffe angesehen und gebraucht. Da die Hadzabe kein Metall bearbeiten können, tauschen sie diese Werkzeuge sowie ihre Pfeilspitzen bei dem Stamm der Datooga gegen Honig oder Wildfleisch ein.

Messer der Hadzabe

Pfeil und Bogen sind das wichtigste Werkzeug der Hadzabe. Sie fertigen ihre Bogen bevorzugt aus dem Holz des Dumboya Kiriki, des Hortensienstrauchs an. Es gehört viel Erfahrung dazu, den richtigen Ast zu finden. Die Rinde wird mit einem Messer, den Fingern und Zähnen abgezogen, das Holz am Feuer gehärtet und mit Tierfett eingestrichen. Die Bögen sind durchschnittlich 150 bis 180 Zentimeter lang. Giraffensehne galt als die beste Sehne, ist aber inzwischen verboten. Ansonsten wurden auch Sehne vom Büffel oder dem Zebra genutzt. Heute ist Nylonsehne am gebräuchlichsten.

Die Pfeile werden aus Zweigen des Sternbusches hergestellt. Es gibt drei Arten von Pfeilen, die für unterschiedliches Wild genutzt werden. Mit den Holzspitzen werden Vögel und kleine Tiere gejagt, mit den Metallspitzen die etwas größeren wie Antilopen, die Giftpfeile schließlich werden zur Jagd von großen Tieren verwendet.

Das Gift wird hauptsächlich aus einer Wüstenrosenart gewonnen. Dabei wird aus der Pflanzenrinde die Paste „Kada“ gekocht, mit der die Metallspitze bestrichen wird. Die Pfeile werden mit grafischen Mustern markiert und mit Federn
stabilisiert. Als Befestigungsmittel dienen Fäden aus Sisal oder aus aufgerippelten Maissäcken, sowie ein Kleber, der durch Kauen auf einer speziellen Knolle gewonnen wird.

Die Hadzabe haben immer ein Feuerholz, „miseko“ genannt, bei sich. Das ist ein kleines weiches Holzstück mit einem runden Loch. „Miseko“ wird auf ein Messer gelegt, dann wird ein spitzer Stock aus weichem Holz in dem Loch schnell gedreht, bis er glüht. „Miseko“ ist sozusagen ihr Feuerzeug, mit dem sie sich in minutenschnelle ihre Zigarette anzünden.

An Neumond wird der Epemme-Tanz veranstaltet. Dies ist ein traditioneller Tanz, bei dem die Hadzabe mit ihren Vorfahren sprechen. Weitere religiös geprägte Handlungen, zum Beispiel beten oder opfern, finden im täglichen Leben nicht statt.

Die Weltenschöpferin ist Ishoko, „die Sonne“, die alles schuf. Haine, „der Mond“, wird als Ishokos Ehemann oder Bruder angesehen und die Sterne als ihre Kinder. Ishoko lebt seit sie alles geschaffen hat im Ruhestand. Es gibt keine Wiedergeburt, keinen Himmel, keine Hölle. Der Tod bedeutet, zurück in die große Einheit der Erde zu gehen. Deshalb sind Begräbniszeremonien nicht üblich.

Ishoko schuf zuerst den Menschen. Sie gab den Hadzabe den Bogen, den Massai das Vieh und den Weißen das Gewehr und die Medizin. Man darf nur Tiere töten. Sie sind von Ishoko verwandelte Menschen, die sich einst schlecht verhielten. Dass die Tiere verloren sind, erkennt man zudem daran, dass sie sich gegenseitig töten. Hingegen kämpft kein Hadzabe gegen einen anderen Menschen oder tötet ihn.

Ishoko hat keine Regeln des Zusammenlebens aufgestellt, da man keinen Gott braucht, um zu wissen, was Gut und Böse ist.

Der einzige weitere Unterschied zwischen Mensch und Tier besteht darin, dass der Mensch im Besitz des Feuers ist.

Die Großmütter sind für das Überleben der Gemeinschaft enorm wichtig, da sie sich um die Kinder kümmern. Nur die kleinen Kinder sind immer bei der Mutter. Die Erwachsenen sind sehr geduldig und tolerant gegenüber ihren Kindern, Schläge sind nicht üblich.

Die kleinen Jungen fangen schon im Alter von zwei Jahren an, das Bogenschießen zu üben. Die Mädchen spielen mit kleinen Grabestöcken. Sie bekommen außerdem Puppen aus Ton oder weichem Stein, die mehr als nur ein Spielzeug sind, da sie nach der Heirat an einem geheimen Ort begraben werden. Sie sind ein Teil des Epemme-Tanzes und stehen für Mutterschaft und Fruchtbarkeit.

Die Kinder spielen so wie Kinder überall auf der Welt: Sie verstecken sich, klettern auf Bäume, bauen Rasseln aus Früchten des Baobabbaums und haben verschiedene Spielzeuge aus Kernen. Sie spielen mit allem, was sie finden, Federn, Sand, Zweigen … Sie bauen Miniaturhütten, spielen das Campleben nach, schnitzen oder veranstalten Wettkämpfe im Bogenschießen. Alle Arten von Ringkämpfen sind bei den Hadzabe, auch bei den Kindern, unüblich.

Tanzen und Singen sind hingegen sehr beliebt.

In der Gemeinschaft werden ihnen alle Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt, die sie benötigen, um in ihrer traditionellen Art und Weise zu leben.

Mädchen und Jungens werden beschnitten und im Laufe der Kindheit erhalten sie, je nach Entwicklungsstand, neue Namen.

Das Heiratsalter der Jungen liegt bei ungefähr 14 Jahren, das der Mädchen bei etwa 12 bis 13 Jahren. Es gibt keine Initiationsrituale, aber einen Hochzeitstanz.

Die traditionelle Kleidung wird aus Leder gefertigt. Das wichtigste Kleidungsstück der Männer ist ein Gürtel, an dem ein Messer und ein Lederbeutel hängen, woran aber auch kleineres Wild befestigt werden kann. Die Genitalien werden mit einem herabhängenden Lederstück bedeckt. Frauen haben drei Kleidungsstücke, einen Rock, eine Art String für die Scham sowie ein Tuch für den Oberkörper, das auch zum Tragen der kleinen Kinder genutzt wird. Unverheiratete Mädchen tragen nur einen String. Die Kinder sind nackt. Heute jedoch tragen fast alle Second Hand Kleidung.

Schmuck an Kleidung, Haaren und Körper wird nur an besonderen Festtagen und zur Hochzeit getragen.

Die Hadzabe haben weder Medizinmänner noch Schamanen zur Heilung. Das medizinische Wissen ist Allgemeingut. Sie besitzen große Kenntnisse über die Heilwirkung der Pflanzen. Erst der Kontakt zur Zivilisation hat neue Krankheiten zu ihnen gebracht, darunter Tuberkulose und HIV, die sie nicht selbst heilen können.

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Die Hadzabe besitzen keine Schriftsprache, aber es gibt Aufzeichnungen von Anthropologen, die den reichen Geschichtenschatz aufgezeichnet haben. Oft sind dies Erzählungen über die Entstehung der Welt, eine Begründung für ihre Lebensweise oder eine gelungene Jagd.

Die ursprüngliche Lebensweise des Volkes der Hadzabe ist durch Landraub, administrative und missionarische Eingriffe, rassistische Verfolgung und Jagdtourismus extrem gefährdet. In den letzten zehn Jahren haben sie 90 Prozent ihrer angestammten Gebiete verloren. Auf den verbliebenen Flächen finden sie häufig nicht mehr genug Nahrung.

Jagdlust arabischer Prinzen, die Gier nach Rohstoffen, Profit- und Machtinteressen in der westlichen Welt sowie in den aufstrebenden neuen globalen Machtzentren wie China und Indien, aber auch in der afrikanischen Gesellschaft selbst, verstärken den Druck auf die verbliebenen Flächen immer mehr.

Auch andere Stämme dringen in die traditionellen Siedlungsgebiete der Hadzabe hinein, da ihre Bevölkerung sprunghaft wächst oder sie ihrerseits aus ihren Territorien vertrieben wurden.

Noch werden in diesem Glossar noch nicht alle  Probleme in ihrer Komplexität aufgezeigt. Wir sind dabei die Informationen kontinuierlich zu erweitern.

Die Hadzabe kämpfen nicht gegen andere Menschen. Bisher konnten sie immer noch ausweichen, doch sehr bald wird das nicht mehr möglich sein.

Dadurch wächst der äußere Druck immer mehr, sodass sich ihre herkömmliche soziale Struktur in Auflösung befindet.

Ihre Tradition steht vor dem Aussterben. Der Lauf der Dinge? Oder ist es möglich, jahrtausendelang bewährten Lebens-weisen und Gesellschaftsstrukturen einen Platz in der Gegenwart einzuräumen?

Die Hadzabe sind friedlich, praktizieren untereinander die grundlegenden Menschenrechte für alle und beeinträchtigen niemanden.

Sie werden in ihrer Lebensart nur überleben, wenn wir ihnen ihr Land und ihre Tradition lassen, wenn wir uns
weder mit Gewalt noch missionarisch in ihr Leben einmischen und ihnen wirklich auf gleichberechtigter Basis
begegnen.

Stand: Oktober 2013
Anmerkung: Die Informationen in diesem Glossar wurden mit größter Sorgfalt recherchiert. Sollte sich dennoch ein Fehler eingeschlichen haben oder inzwischen neue Erkenntnisse hinzugekommen sein, so wären wir dankbar, informiert zu werden.