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Der Biotologe Yann

… hebt ab

Das siebte Abenteuer des Biotologen Yann bringt ihn hoch hinaus: In einem Heißluftballon fliegt er über die riesigen Tierherden der weiten Savanne hinweg.

Aufregend bleibt es auch nach der Landung: Yann wandert mit Zebras und Antilopen, trifft Löwen und Affen, rennt mit einem Vogel Strauß um die Wette und beobachtet eine Leopardin mit ihrem Jungen im Baum.

Aber kann der Elefant ihm schließlich helfen, den Weg zurück nach Hause zu finden?

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Jim Gramming und Yann auf Galápagos

Yann erlebte auf seinen Reisen rund um den Globus an vom Klimawandel bedrohten Plätzen für ihn inszenierte Geschichten – und erweiterte sie mit seiner Vorstellungskraft und Kreativität spielerisch zu aufregenden Abenteuern zwischen Fantasie und Wirklichkeit.

Sein Bruder, der Fotograf Jim Gramming, hielt das Geschehen vor Ort mit viel Einfühlungsvermögen in einzigartigen Fotoserien fest. Mit zahllosen spontanen Motivideen erschufen die Reisenden so eine ganz besondere Bildwelt, die mit den erdachten Geschichten eine unverwechselbare Einheit bildet.

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Rezension der Arbeitsgemeinschaft für Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM):

Details

Der Biotologe Yann ... hebt ab

Hardcover
Format: 28 x 24 cm
Seiten: 48
FSC zertifiziert, 100% Anteil Altpapier

Erscheinungstermin: 15.10.2012
ISBN: 978-3-944275-06-2
Preis: 14,50 €

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Glossar Serengeti in Tansania

Yann ist ein Jahr lang an verschiedene Orte der Welt gereist. Daraus entstanden zwölf Geschichten. Die von ihm besuchten Landschaften sowie die dort lebenden Tiere und Menschen sind durch die Folgen des Klimawandels und die bedenkenlose Ausbeutung natürlicher Ressourcen in ihrer Existenz bedroht.
Viele der Orte gehören zu den von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichneten Stätten, so wie die Serengeti in Tansania, wo die Bilder für dieses Buch entstanden.

Das siebte Abenteuer spielt in der Serengeti, da dort die weltweit größte Wanderung von Landsäugetiere stattfindet. Zudem gibt es in der Serengeti ein beispielhaftes System von Großschutzgebieten.

7. Abenteuer in der Serengeti

„Serengeti“ ist das Massai-Wort für „Die endlose Ebene“.

Die Serengeti ist fast so groß wie Belgien. Sie erstreckt sich vom südlichen Kenia bis zum nördlichen Tansania.

Sie umfasst sieben Schutzgebiete: Serengeti Nationalpark, Ngorongoro, Maasai Mara Tierschutzreservat, Ikorongo, Maswa, Grumetu und Lollondo.

Der Serengeti Nationalpark sowie das Ngorongoro Schutzgebiet gehören zum Weltnaturerbe.

Das Klima zeigt einen konstanten Wechsel zwischen kalten Nächten und sehr heißen Tagen. Die Niederschläge verteilen sich vor allem auf die beiden Regenzeiten.

Das Landschaftsbild prägt die Savanne. Savanne ist ein allgemeiner Begriff für jede Form halbtrockener Landstriche, vom offenen Grasland bis hin zu Waldland.

Die zentrale Savanne ist fast baumlos, nur durchsetzt mit den charakteristischen Granitfelsen, die Kopjes genannt werden. Im Südosten erhebt sich das vulkanische Ngorongoro Schutzgebiet. Die höchsten Berge liegen etwa 1.850 Meter über dem Meeresspiegel, niedrigere Teile der Savanne reichen bis herab auf etwa 920 Meter. Entlang der Flussläufe schlängeln sich die einzigen Streifen mit Galeriewäldern, wo es auch kleinere Seen und wasserreiche Tümpel gibt.

Die Serengeti weist eine Dynamik von jahreszeitlichen Veränderungen auf, die seit Jahrmillionen in ähnlicher Weise ablaufen. Sie ist der letzte große Lebensraum für wandernde Landsäugetiere und berühmt durch die große Wanderung, die „great migration“ der Tiere.

Die Weißbartgnus sind eine der wichtigsten Komponenten im Puzzle des Serengeti-Ökosystems.

Die Gnus verbringen die Regenzeit von Dezember bis Juni in der Ebene des Ngorongoro-Kraters, wo das Gras üppig wächst. Hier gebären sie ihre Kälber. In den drei Wochen Kalbzeit werden bis zu 500.000 Jungtiere geboren.

Nach dem Ende des Monsuns im Juni trocknet die Ebene aus und die Gnus wandern auf ihrer Suche nach frischen Weidegründen weiter Richtung Westen zum Viktoriasee. Wenn die Regenfälle enden, wandern die Herden nach Norden zur Maasai Mara, wo die zerklüfteten Felsen des Rift-Valleys die letzten Regenfälle selbst inmitten der Trockenzeit auf-fangen. Mit dem Beginn der Monsunregen im Dezember wandern die Gnus zurück in die saftigen Weiten der Serengeti.

Während der großen Wanderung ziehen innerhalb eines Jahres über eine Million Gnus, 300.000 Thomsongazellen und 200.000 Zebras, begleitet von den Raubtierrudeln, zweimal 1.000 Kilometer weit durch die Serengeti. Dabei sind ihre Züge bis zu 40 Kilometer lang.

In weiten Teilen der Serengeti besteht der Boden aus Vulkan-asche, aus der der Regen im Lauf der Zeit Mineralien ausgewaschen hat. Die sammelten sich wenige Zentimeter tief unter der Oberfläche an und bildeten eine für Pflanzenwurzeln undurchdringliche Schicht. Das Einzige, was hier gut wächst, ist Gras.

Der Dung der Tiere sorgt für die Nährstoffe. Allein die Gnus produzieren täglich so viel Dung, dass damit ein 200 Meter langer Zug gefüllt werden könnte.

Nirgendwo in der Welt existieren so viele große Säugetiere in einer so großen Anzahl. Es gibt 24 verschiedene Arten.

Insgesamt leben in der Serengeti etwa 1,6 Millionen große Pflanzenfresser wie Weißbartgnu, Afrikanischer Elefant, Spitzmaulnashorn, Büffel, Flusspferd, Giraffe, Grantgazelle, Thomsongazelle, Impala, Dikdik, Elenantilopen, Kleiner Kudu, Kuhantilopen, Topis oder Buschbock. Aber ebenso findet sich in der Serengeti die weltweit höchste Konzentration an Raubtieren wie Löwe, Gepard, Leopard, Tüpfel- und Streifenhyäne, Afrikanische Zibetkatze und Goldschakal.

Auch andere Säugetiere wie Warzenschwein, Klippspringer, Anubispavian, Meerkatze, Fledermäuse, Elefantenspitzmaus, Kaphase, Springhase, Honigdachs, und Stachelschwein sind hier zu Hause.

Über 540 Arten Vögel fliegen durch die Lüfte der Serengeti. Dazu gehören wandernde Arten, zum Beispiel unsere Weißstörche oder Rauchschwalben, und sesshafte Arten, etwa der größte Vogel der Welt, der Strauss, daneben Gaukler, Sekretär, verschiedene Geierarten, Riesentrappe, Kronenkranich, Fisher`s Edelsittich (Lovebird), Marabu, Rosaflamingo, Zwergflamingo, Kaffernhornrabe und das Helmperlhuhn.

Termiten und Mistkäfer stellen wesentliche Glieder dieses hochkomplexen Lebensraums dar. Termiten sind wichtig für die Serengeti, weil sie totes Pflanzenmaterial abbauen und den Boden bearbeiten. Außerdem liefern die aus Erde und Speichel gebauten Termitenhügel vielen Tieren eine angenehme Heimstatt und hervorragende Aussichtspunkte. Die Mistkäfer, auch Pillendreher genannt, rollen bis zu 75 Prozent des in der Serengeti produzierten Dungs einfach davon. Etwa 15 bis 20 Prozent des Bodens sind durchsetzt mit vergrabenen Dungballen. Diese enormen Mengen von Dung und Erde, die die kleinen Mistkäfer bewegen, lockern den Boden auf und erschließen neue Oberflächen für das Graswachstum. Es gibt mehrere hundert Arten von Mistkäfern.

Aber auch Schmetterlinge, Ameisen, Grashüpfer, letztere fressen in der Serengeti mehr Gras als alle großen Pflanzenfresser zusammen, und Reptilien tragen zur enormen Vielfalt bei.

Spezielle Gras- und Baumarten geben der Serengeti ihr typisches Gesicht. Akazien, Wüstendattel und Wilde Dattelpalme sind neben dem besonders eindrucksvollen Leberwurstbaum mit seinen bis zu fünf Kilogramm schweren herabhängenden Früchten die wichtigsten Arten. In den tieferen Lagen zählt dazu noch der Afrikanische Affenbrotbaum, auch Baobab genannt.

Viele Bäume schützen sich vor den Pflanzenfressern mit Dornen, chemischen Substanzen oder durch Symbiose, zum Beispiel mit Ameisen, die ihren Lebensraum verteidigen.

Nach der Regenzeit verwandeln unzählige Blumen die Savanne in ein buntes Blütenmeer.

Bis ins 19. Jahrhundert gab es kaum Veränderung im Ökosystem. Erst das Sesshaftwerden der Massai sowie die Großwildjagd der Weißen führten zu erheblichen Verschiebungen.

Heute bedrohen die Großwildjagd für Trophäen, die Wilderei für Potenzmittel und der Elfenbeinschmuggel die Tierwelt. Aber auch die Fleischwilderei bedrohter Arten durch die einheimische Bevölkerung stellt ein Problem dar.

Invasive, eingeschleppte, sich schnell ausbreitende Arten wie zum Beispiel der Mexikanische Stachelmohn und Tierkrankheiten verschärfen die bestehende Gefährdung.

Das große Bevölkerungswachstum führt zu einem extrem starken Siedlungs- und Nutzungsdruck. Dies führt unter anderem zu einer flächenmäßigen Zunahme der Landwirtschaft, die sich mit Wildtieren und ihrem Zug durch die Savanne nicht verträgt. Die traditionellen Wanderkorridore der Tiere außerhalb der Schutzgebiete sind in ihrer Existenz stark bedroht.

Planungen für große Infrastrukturprojekte, zum Beispiel eine Autobahn durch die Serengeti, der Sodaabbau am Lake Natron oder ein Wasserkraftwerk am Mara, die das ökologische Gleichgewicht zu stören drohen, stellen eine weitere Herausforderung dar.

Der Mara ist der einzige Fluss im gesamten Serengeti-Ökosystem, der das ganze Jahr über Wasser führt. Von ihm hängt die große Wanderung ab. Wenn die Dürre auf dem Höhepunkt ist, schafft der Mara das Wasser der letzten Regenfälle aus seinem Quellgebiet im kenianischen Mau–Gebirge in Richtung Viktoriasee. In den Tropen sind Bergwälder die Wasserspeicher. Wenn es regnet, saugen sie sich voll wie ein Schwamm und geben das Wasser in der Trockenzeit langsam wieder ab. In den letzten dreißig Jahren sind die Mau-Bergwälder um mindestens die Hälfte für Holz und Ackerland gerodet worden und können dementsprechend weniger Wasser speichern und abgeben.

Schließlich sind die Folgen des Klimawandels auch hier zu spüren. Der Jahrmillionen alte konstante Wechsel zwischen Trocken- und Regenzeiten verändert sich. Die Prognose geht davon aus, dass die Regenmenge etwa gleich bleibt, aber sich unregelmäßiger verteilt und es zu viel stärkeren Einzelregenereignissen mit Überschwemmungen kommt. Parallel dazu werden die Trockenzeiten härter und länger.

Den Serengeti-Nationalpark gibt es seit 1951. Bernhard und Michael Grzimeks Dokumentarfilm und Buch „Serengeti darf nicht sterben“ aus dem Jahr 1959 hat das Bewusstsein der Öffentlichkeit in den westlichen Ländern zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt in Afrika, insbesondere in der Serengeti erheblich geschärft.

Aufgrund der darauf aufbauenden Schutzbemühungen sind die Populationen der meisten Tierarten heute größer als 1950. Nach Untersuchungen der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft sind die Bestände der meisten Tierarten derzeit stabil beziehungsweise wachsen leicht.

Die nachhaltige touristische Entwicklung unter Einbeziehung der heimischen Bevölkerung, zum Beispiel durch Schaffung von „Wildlife Management Areas“ in Regie der einheimischen Bevölkerung, kann den Druck auf die Schutzgebiete entschärfen. Inzwischen wird versucht, auch außerhalb dieser Gebiete Wanderkorridore aufzubauen, die sie miteinander verbinden und so die Wanderrouten erhalten.

Der Schutz dieser Gebiete ist eine internationale Aufgabe, denn sie sind in ihrer Vielfalt und Größe weltweit einmalig. Ein Schutzgebietssystem wie das derzeitige Tansanias wäre wohl in keinem westeuropäischen Land bei der Bevölkerung durchsetzbar und verdient umso mehr Respekt und Unterstützung. Es nährt die Hoffnung darauf, die einzigartige Tierwanderung in der Serengeti erhalten zu können.

Stand: Oktober 2013
Anmerkung: Die Informationen in diesem Glossar wurden mit größter Sorgfalt recherchiert. Sollte sich dennoch ein Fehler eingeschlichen haben oder inzwischen neue Erkenntnisse hinzugekommen sein, so wären wir dankbar, informiert zu werden.