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Der Biotologe Yann

… forscht nach dem Piratenschatz

In seinem sechsten Abenteuer folgt der Biotologe Yann den Spuren der Piraten: Auf den fernen Galápagos-Inseln sucht er nach einem sagenhaften Schatz, den sie dort versteckt haben sollen.

Sein Weg führt ihn auf einen Vulkan, in einen dunklen Lavatunnel und zum Tauchen mit riesigen Schildkröten – bis er endlich die von Drachen bewachte Schatzhöhle entdeckt. Schafft er es, an ihnen vorbei zu gelangen und den Piratenschatz zu heben?

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Jim Gramming und Yann auf Galápagos

Yann erlebte auf seinen Reisen rund um den Globus an vom Klimawandel bedrohten Plätzen für ihn inszenierte Geschichten – und erweiterte sie mit seiner Vorstellungskraft und Kreativität spielerisch zu aufregenden Abenteuern zwischen Fantasie und Wirklichkeit.

Sein Bruder, der Fotograf Jim Gramming, hielt das Geschehen vor Ort mit viel Einfühlungsvermögen in einzigartigen Fotoserien fest. Mit zahllosen spontanen Motivideen erschufen die Reisenden so eine ganz besondere Bildwelt, die mit den erdachten Geschichten eine unverwechselbare Einheit bildet.

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Rezension der Arbeitsgemeinschaft für Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM):

Details

Der Biotologe Yann ... forscht nach dem Piratenschatz

Hardcover
Format: 28 x 24 cm
Seiten: 48
FSC zertifiziert, 100% Anteil Altpapier

Erscheinungstermin: 15.10.2012
ISBN: 978-3-944275-05-5
Preis: 14,50 €

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Toelpel

Glossar Galápagos-Inseln

Schildkroete
Pinguin

Yann ist ein Jahr lang an verschiedene Orte der Welt gereist. Daraus entstanden zwölf Geschichten. Die von ihm besuchten Landschaften sowie die dort lebenden Tiere und Menschen sind durch die Folgen des Klimawandels und die bedenkenlose Ausbeutung natürlicher Ressourcen in ihrer Existenz bedroht.

Viele der Orte gehören zu den von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichneten Stätten, so auch die Galápagos Inseln, wo die Bilder für dieses Buch entstanden.

Die sechste Geschichte spielt auf den Galápagos-Inseln, da dort noch eine gewisse Urprünglichkeit herrscht und hier die Chance besteht, ein Beispiel für eine nachhaltige Entwicklung zu realisieren.

6. Abenteuer auf den Galápagos Inseln

Die Galápagos-Inseln (offiziell Archipiélago de Colón, „Kolumbusarchipel“) sind eine Inselgruppe im östlichen Pazifischen Ozean, ca. 1.200 Kilometer westlich von Südamerika und ca. 1.000 Kilometer südwestlich von Costa Rica. Sie gehören zu Ecuador.

Galápago (spanisch für Wulstsattel) bezieht sich auf den Schildkrötenpanzer, der bei einigen Galápagos-Riesenschildkröten im Nackenbereich wie ein Sattel aufgewölbt ist.

Die Inselgruppe besteht aus 14 größeren und über 100 kleinen Inseln.

Die Galápagos-Inseln sind eines der wenigen Gebiete, die in Vorzeiten nicht bewohnt waren, da das fehlende Trinkwasser und die Isoliertheit lange Zeit eine dauerhafte Besiedlung verhindert hat. Heute leben auf fünf Inseln ca. 30.000 Einwohner.

Im 16. und 17. Jahrhundert waren die Inseln Zufluchtsort für Seeräuber, die meist Schiffe der Spanier überfielen. 1835 besuchte Charles Darwin für 6 Wochen die Inseln und erhielt hier wesentliche Anregungen für seine Evolutionstheorie.

Obwohl die Inseln in Äquatornähe liegen, ist das Klima eher gemäßigt. Verantwortlich dafür ist das relativ kalte Meereswasser, welches durch den Humboldtstrom und die Cromwell-Strömung herangeführt wird.

Die Regenzeit dauert von Januar bis Juni. Das übrige Jahr fällt fast kein Niederschlag.

In sogenannten, nicht zyklisch auftretenden El Niño-Jahren verändern sich die Meeresströmungen. Dabei schwächt sich der Humboldtstrom ab oder bleibt ganz aus. Damit bleibt das nährstoffreiche Tiefenwasser aus und die Fische verschwinden. In den letzten Jahren häufen sich die El Niño-Ereignisse und werden immer intensiver. Im außergewöhnlich starken El Niño-Jahr 1997/98  kam es zu einer extrem starken Wassererwärmung um 7,5° Celsius. In der Folge führte dies zu einem schwerwiegenden Korallensterben und der Vernichtung von ca. 60 Prozent der Pinguin-population.

Auf den Inseln existieren viele endemische Tier- und Pflanzenarten. Als endemisch werden Arten bezeichnet, die auf der gesamten Welt nur in einer einzigen, begrenzten Region vorkommen. Etwa 67 Prozent aller Landwirbeltiere, 56 Prozent aller Insekten, 42 Prozent aller Gefäßpflanzen und 20 Prozent aller Fischarten auf Galápagos sind endemisch.

Die Liste der heimischen Vogelarten ist lang. Markant oder berühmt sind der Blaufußtölpel, der Galápagos-Pinguin und die Darwin-Finken.

Der Blaufußtölpel ist ein bis zu 80 Zentimetern großer Meeresvogel. Sein Name leitet sich von seinen blauen Füßen sowie seiner ungeschickten Fortbewegungsweise an Land ab.

Wer sie allerdings bei der Jagd auf Fische beobachtet, bewundert ihre raketenartigen Sturzflüge in das Wasser und ihr gutes Tauchvermögen. Wenn sie einen Fisch erkennen, legen sie ihre Flügel an und schießen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Kilometern pro Stunde nach unten. Sie tauchen bis zu 25 Meter tief in das Wasser.

Das Blau ihrer Füße hat zwei Gründe. Zum einen reflektieren bestimmte Fasern unter der Oberhaut der Schwimmflossen blaues Licht besonders gut. Zum anderen nehmen sie mit der Nahrung natürliche Farbstoffe auf, die in den Füßen eingelagert werden. Je mehr Jagderfolg sie haben, desto blauer sind die Füße. Die Weibchen suchen sich die erfolgreichsten Jäger, also die Tiere mit den am stärksten blau gefärbten Füßen aus.

Die Blaufußtölpel brüten in Kolonien. Mit ca. 20.000 Brutpaaren lebt über die Hälfte des weltweiten Gesamtbestandes an Blaufußtölpeln auf den Galápagos-Inseln.

Die Hauptgefährdung besteht in der zunehmenden Nahrungsknappheit.

Die Galápagos-Pinguine sind nur auf den Galápagos-Inseln anzutreffen. Es ist die einzige Pinguinart, die nördlich des Äquators lebt. Ermöglicht wird das durch das kalte Wasser und das entsprechende Nahrungsangebot. Mit maximal 50 Zentimetern Größe zählen sie zu den kleinsten Pinguinen der Welt. Sie sind schnelle und gewandte Schwimmer.

Bei ihren Tauchgängen erreichen sie über 30 Kilometer pro Stunde. Sie sind Höhlenbrüter und leben in Kolonien zusammen. Gebrütet wird, wenn das Nahrungsangebot groß genug ist. Der Brutbestand beläuft sich derzeit auf weniger als 1.000 Paare. Sie gehören damit weltweit zu den stark gefährdeten Tierarten.

Ihnen oder ihren Jungen können Haustiere, Ratten, Haie, Robben, Schlangen, Krabben und Greifvögel gefährlich werden. Zu den weiteren Gefährdungen gehören direkte Störung durch den Menschen, das Verfangen in Fischernetzen und eingeschleppte Krankheitserreger.

Die größte Gefährdung liegt derzeit allerdings im El Niño- Phänomen.

Darwin-Finken sind kleine Singvögel, die in 13 Arten auf den Galápagos-Inseln und mit einer Art auf den Kokosinseln vorkommen. Entgegen der landläufigen Meinung hat Charles Darwin sich relativ wenig mit diesen Vögeln beschäftigt. Ihr Anteil an der Entwicklung seiner Evolutionstheorie ist also eher gering.

Der Name „Darwin-Fink“ wurde erst im 20. Jahrhundert geprägt. Aufgrund der großen Aufmerksamkeit für diese Vogelgruppe zählen sie heute zu den am besten erforschten Vögeln der Welt. Im Nachhinein lieferten sie stichhaltige Beweise für die von Darwin formulierten Evolutionsmechanismen. Die Darwin-Finken sind heute extrem durch einen eingeschleppten Parasiten gefährdet, der vom Blut der Darwin-Finken lebt, wodurch inzwischen 50 bis 90 Prozent der Finkennestlinge sterben.

Von den lediglich 4 Säugetierarten ist der Galápagos-Seelöwe, ob auf dem warmen Lavastrand, in leeren Fischerbooten schaukelnd oder unter Wasser, überall anzutreffen und aus nächster Nähe zu beobachten.

Eindrucksvoll sind besonders die Reptilien wie Meerechsen, Galápagos-Landleguane oder die flinken Lavaechsen. Am bekanntesten sind die Galápagos-Riesenschildkröten.

Die Galápagos-Riesenschildkröte kann bis zu 1,50 Meter groß und 250 Kilogramm schwer werden. Sie ernährt sich rein vegetarisch von Kakteen, jungen Strauchtrieben, Gräsern und Beeren. Früher war sie zahlreich auf allen Inseln vertreten. Besatzungen von Schiffen und Siedler haben die Riesenschildkröten als Proviant gefangen. Die Schätzungen der gefangenen Tiere in den letzten zwei Jahrhunderten schwanken zwischen 100.000 und 200.000 Tieren. Aufgrund ihrer langen Lebenszyklen wurden sie dadurch an den Rand des Aussterbens gebracht.

Von den 15 Unterarten sind mittlerweile 5 ausgestorben und weitere 4 vom Aussterben bedroht. Heute leben noch knapp 20.000 Tiere. Über ein Nachzucht- und Auswilderungsprogramm wird seit einigen Jahren versucht, die Art wieder zu stabilisieren. Sie wird in der höchsten Kategorie des Washingtoner Artenschutzabkommens geführt.

Wahrscheinlich werden die Riesenschildkröten bis zu 180 Jahre alt. Geschlechtsreif werden sie erst mit 20 bis 30 Jahren. Sie legen Eier in selbstgescharten Sandlöchern. Die Sonne brütet die Eier in ca. 240 Tagen aus. Bei Geburt wiegen die kleinen Schildkröten nur zwischen 60 und 100 Gramm.

Der einzige natürliche Feind ist der Galápagos-Bussard, der aber nur die sehr jungen Schildkröten greifen kann. Größer ist die Gefahr durch verwilderte Haustiere, die die Gelege plündern sowie eingeschleppte Pflanzen. Diese verdrängen die Nahrungspflanzen der Schildkröten.

Unter Wasser glaubt man, das Paradies entdeckt zu haben.Rund um den Archipel leben, neben Korallen und anderen Meerestieren, ca. 500 Fischarten. Häufig begegnet man dem Mantarochen oder sieht ihn bei einem Sprung aus dem Wasser. Bisher wurden 37 Haiarten in den Gewässern um die Inseln beobachtet. Eine Begegnung mit dem friedlichen Weißspitzenriffhai oder dem größten Fisch der Erde, dem Walhai, ist nicht ungewöhnlich.

In den 7 Vegetationszonen von der Küste bis in die Gipfel-lagen gibt es über 700 Arten höhere Pflanzen.

Aufgrund der Entfernung der Inseln vom Festland sowie der Lebensbedingungen verlief der Prozess einer natürlichen Neuansiedlung auf den Galápagos-Inseln sehr langsam. Deshalb konnten sich sehr stabile Lebensgemeinschaften herausbilden.

Für die natürliche Ausbreitung von Tier- und Pflanzenarten existieren verschiedene Mechanismen. Zu einer aktiven Verbreitung sind nur Tiere in der Lage, die weite Strecken wandern können, wie Vögel, aber auch der Seelöwe. Die passive Verbreitung geschieht durch den Wind, über Wasserströmungen und mit Hilfe anderer Organismen.

Für eine Ansiedlung muss die neue Art auf Bedingungen treffen, unter denen sie leben kann. Von hundert neuen Arten gelingt das in der Regel nur einer. Da es kein fleischfressendes Landraubtier auf natürlichem Weg auf die Inseln geschafft hat, erklärt das auch die große Zutraulichkeit der Meeresechsen, Seelöwen und Riesenschildkröten. Dieses Verhalten wurde ihnen nach Ankunft der Menschen fast zum Verhängnis.

Hinzu kam ein extrem beschleunigter Prozess der Besiedlung mit neuen Arten. Seeleute setzten auf Inseln gezielt Tiere als Nahrung aus, andere entflohen aus Nutztierhaltungen. Mückenlarven kamen mit schalem, achtlos weggeschütteten Trinkwasser, Käferlarven und Ameisen in Holz, Ratten auf Schiffen und so weiter.

Trifft eine neue Art auf optimale Lebensbedingungen, kann sie sich entsprechend stark entwickeln und verdrängt die bis dahin heimischen Arten. In solchen Fällen spricht man von invasiven Arten. Diese Neuansiedlungen haben speziell in Gebieten, in denen über einen langen Zeitraum sehr stabile Lebensbedingungen existierten, wie auf Galápagos, katastrophale Auswirkungen.

Seit 1980 haben sich die Bevölkerung sowie die Besucherzahlen verzehnfacht.

Damit geht ein unkontrollierter Siedlungsbau sowie ein exponentieller Anstieg der Warenströme einher, da fast alle Waren von Trinkwasser bis zum Diesel vom Festland eingeführt werden müssen. Dies führt zu einer Zunahme der Umweltverschmutzung durch unsachgemäße Entsorgung. Zudem gibt es dadurch einen rasanten Anstieg der Einschleppung inselfremder Tier- und Pflanzenarten.

Allein in den letzten 10 Jahren wurden mindestens 200 Arten neu eingeschleppt.

Der Fischfang in den fischreichen Gewässern war lange Zeit unkontrolliert. Bei verschiedenen Arten ist die nachhaltige Reproduktion nicht mehr gewährleistet.

Nach wie vor sind Haifischflossen und Seegurken besonders begehrt.

Der Klimawandel und die damit einhergehende Verschiebung der Meeresströmungen sowie die Auflösung der Regelmäßigkeit des Wechsels von Regen- und Trockenzeiten gefährdet die daran angepassten Pflanzen und Tiere. Auch die Fotoarbeiten zu diesem Buch litten unter der zeitlichen Verlängerung des jährlichen Wetterphänomens des Garúa, bei dem der Himmel tagelang von Wolken verhangen ist und immer wieder leichter Nieselregen fällt.

Die Inseln gehören zum Weltnaturerbe der UNESCO. Etwa 97 Prozent der Fläche der Galápagos-Inseln und 99 Prozent der sie umgebenden Gewässer innerhalb der Zweihundertmeilenzone stehen als Nationalpark unter strengem Naturschutz. Die landwirtschaftliche Nutzung und die Fischerei, das Betreten der Inseln, der Warenverkehr sowie das Befahren der Gewässer sind streng reglementiert. Invasive Arten werden aktiv bekämpft.

Zunehmend wird versucht, Fischerei, Landwirtschaft, Tourismus, Einwanderung und Siedlung nachhaltig und naturverträglich zu gestalten. Ein wesentliches Element dieser Bemühungen besteht in der Reduktion des Warenverkehrs durch mehr Selbstversorgung mit Lebensmitteln und Energie.

Bleibt die Ursprünglichkeit der Inseln erhalten und gelingt eine nachhaltige Entwicklung, können sie zu einem leuchtenden Vorbild für gelebtes Umweltbewusstsein werden und als solches weltweite Strahlkraft entfalten.

Stand: Oktober 2013
Anmerkung: Die Informationen in diesem Glossar wurden mit größter Sorgfalt recherchiert. Sollte sich dennoch ein Fehler eingeschlichen haben oder inzwischen neue Erkenntnisse hinzugekommen sein, so wären wir dankbar, informiert zu werden.