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Der Biotologe Yann

… sucht ein sagenhaftes Tier

Der Dschungel birgt unzählige Geheimnisse. Eines der größten beschäftigt Yann in seinem fünften Abenteuer: Wer ist der Quetzal? Als eine Horde Totenkopfäffchen an einem Wasserfall in Costa Rica über den Biotologen herfällt, beginnt seine spannende Suche nach dem sagenhaften Tier. Sie führt ihn zu den seltsamsten Lebewesen – aber erst, als ihm freundliche Tukane ein Pferd besorgen, kommt er des Rätsels Lösung näher. Wird er sie finden, im Nebelwald?

frosch
Jim Gramming in Costa Rica

Yann erlebte auf seinen Reisen rund um den Globus an vom Klimawandel bedrohten Plätzen für ihn inszenierte Geschichten – und erweiterte sie mit seiner Vorstellungskraft und Kreativität spielerisch zu aufregenden Abenteuern zwischen Fantasie und Wirklichkeit.

Sein Bruder, der Fotograf Jim Gramming, hielt das Geschehen vor Ort mit viel Einfühlungsvermögen in einzigartigen Fotoserien fest. Mit zahllosen spontanen Motivideen erschufen die Reisenden so eine ganz besondere Bildwelt, die mit den erdachten Geschichten eine unverwechselbare Einheit bildet.

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Details

Der Biotologe Yann ... sucht ein sagenhaftes Tier

Hardcover
Format: 28 x 24 cm
Seiten: 48
FSC zertifiziert, 100% Anteil Altpapier

ISBN: 978-3-944275-04-8

Preis: 14,50 €

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affe

Glossar Nebelwald in Costa Rica

vogel

Yann ist ein Jahr lang an verschiedene Orte der Welt gereist. Daraus entstanden zwölf Geschichten. Die von ihm besuchten Landschaften sowie die dort lebenden Tiere und Menschen sind durch die Folgen des Klimawandels und die bedenkenlose Ausbeutung natürlicher Ressourcen in ihrer Existenz bedroht. Viele der Orte gehören zu den von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichneten Stätten.

Das fünfte Abenteuer spielt in Costa Rica, wo noch große Nebelwälder existieren.

5. Abenteuer in Costa Rica

Costa Rica ist ein Staat im tropischen Mittelamerika. Mit einer Größe von rund 51.100 Quadratkilometern ist er nur unwesentlich größer als die Schweiz. Im Norden wird Costa Rica durch Nicaragua begrenzt, im Süden durch Panama. Die östliche Grenze bildet der Atlantik, die westliche der Pazifik. Durch diese Lage verfügt es über eine Küsten-länge von 1.200 km sowie über 589.000 Quadratkilometer an Territorialgewässern.

„Costa Rica“ bedeutet „reiche Küste“. Dieser Name stammt von den spanischen Eroberern, die aufgrund der üppigen Landschaft sowie der kunstvollen Goldarbeiten der indigenen Einwohner ein reiches Land mit großen Schätzen
erwarteten.

Die Bevölkerungszahl liegt bei etwa 4,7 Millionen Einwohnern, von denen ein Großteil in der Hauptstadt San José lebt.

In Costa Ricas Wirtschaft nimmt der Anteil traditioneller agrarischer Produkte wie Bananen, Kaffee, Ananas, Fleisch und Zucker immer weiter ab, trotzdem ist das Land noch heute der weltweit zweitgrößte Exporteur von Bananen. Der Tourismus, insbesondere der Ökotourismus, verantwortet fast zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Erste Spuren einer Besiedlung stammen aus einer Zeit von 12.000 Jahren vor Beginn unserer Zeitrechnung. Es wird von einer Bevölkerungzahl von etwa 400.000 Menschen vor dem Eintreffen der Europäer ausgegangen.

Die Pflanzen- und Tierwelt Costa Ricas ist ausgesprochen artenreich. Obwohl es nur 0,00034 Prozent der Landfläche der Erde ausmacht, beherbergt Costa Rica vier bis fünf Prozent aller Tier- und Pflanzenarten der Erde, ca. eine Million Arten. Trotz seiner geringen Größe zählt es damit zu den 20 Ländern der Erde mit der größten Artenvielfalt.

Aufgrund der geografischen und klimatischen Gegebenheiten gibt es eine Vielzahl von Vegetationszonen in Costa Rica. Daraus resultiert wiederum eine hohe Zahl an Pflanzen-arten, es gibt ca. 12.000. Mit 1.200 Baumarten und 1.100 Orchideenarten wird Costa Rica auch der Blumen-garten Mittelamerikas genannt.

Insbesondere die Regenwälder sind artenreich. Bei besonders feuchten und hoch gelegenen Regenwäldern spricht man von Nebelwäldern, denn hier findet Nebel- und Wolkenbildung statt. Die aufsteigenden Luftmassen kondensieren und schaffen unabhängig vom Regen eine permanent feuchtigkeitsgesättigte Atmosphäre. Die Pflanzen können so das Wasser direkt aus der Luft aufnehmen, was zu einem üppigen Wachstum sowie einer stark ausgeprägten Gliederung des Waldes führt. Die Großbäume erreichen allerdings selten mehr als 30 Meter Höhe. Kennzeichnend sind die vielen Epiphyten, zum Beispiel Orchideen, Bromelien und Farne, die alle anderen Pflanzen überdecken.

Einige Regenwaldgebiete zählen zu den artenreichsten Regionen der Erde überhaupt und werden deshalb als „hot spots“ der Biodiversität, der Vielfalt der Lebensformen, bezeichnet.

In Costa Rica leben ungefähr 200 Säugetierarten. Zu den auffälligsten Vertretern dieser Gruppe gehören vier Affenarten.

Am seltensten begegnet man den Rotrücken-Totenkopf-äffchen. Ihr Name leitet sich von ihrer orange-goldenen Fellfärbung und ihrer an einen Totenkopf erinnernden weißen Gesichtsmaske ab. Mit einer Körpergröße um 30 Zentimeter sowie einem Gewicht von etwa einem Kilogramm stellen sie die kleinsten und leichtesten Vertreter dar. Sie sind tagaktive Waldbewohner, die in Gruppen umherstreifen und sich von kleinen Tieren sowie Blüten, Früchten und Blättern ernähren. Sie besiedeln lediglich ein kleines Gebiet auf der pazifischen Seite von Costa Rica und Panama. Mittlerweile sind sie vom Aussterben bedroht.
Zudem gibt es noch die Weißschulter-Kapuzineraffen, Mantelbrüllaffen sowie die Geoffroy-Klammeraffen.

Fast 900 Vogelarten bevölkern Costa Rica, darunter Kolibris in 51 Arten, Tukane sowie Papageien in 16 Arten, um nur die bekanntesten Vertreter zu nennen.

Der auffälligste unter ihnen ist der Hellrote Ara. Mit bis zu 85 Zentimetern Körpergröße und einem Kilogramm Körpergewicht zählt er zu den größten Papageien. Der Name leitet sich von seinem leuchtend roten Gefieder ab. Die Flügel sind blau gefärbt und besitzen einen gelben und grünen Ansatz.

Die Hellroten Aras leben in Tieflandregenwäldern, hauptsächlich in der Nähe von Flüssen. Sie kommen nur noch in wenigen Regionen an der Pazifikküste vor. Es sind sehr gesellige Vögel, die in Familienverbänden leben und intensiv kommunizieren. Sie sind monogam, ziehen ihre Jungen gemeinsam in Nestern in Baumhöhlen auf und können 60 Jahre alt werden. Ihre Nahrung besteht zumeist aus Früchten, daneben aber auch aus Zweigen, Blättern und Insekten. Mit ihren starken Schnäbeln sowie ihren muskulösen Zungen können sie auch harte Nüsse geschickt öffnen.

Der Quetzal gehört zu den Trogonen, einer Vogelfamilie, deren Vertreter ausgesprochen bunt gefärbt sind und nur in den Tropen vorkommen. Die Vögel sind etwa 35 Zentimeter groß, vergleichbar mit einer Taube. Ihr Federkleid schillert in den verschiedensten Grüntönen. Die Männchen besitzen eine scharlachrote Bauchseite und während der Fortpflanzungszeit bis zu einem Meter lange Schwanzfedern. Ihr Vorkommen ist auf die Nebelwälder Mittelamerikas beschränkt. Ihre Jungen ziehen sie in Bruthöhlen auf, die sie in morsches Holz graben.

Als Nahrung sind bei ihnen wilde Avocados besonders beliebt, wodurch sie auch ein wichtiger Faktor für den Erhalt und die Verbreitung der Avocadobäume sind.

Viele Mythen ranken sich um den Quetzal. Bei den alten mittelamerikanischen Kulturen wurde er wegen seiner Schwanz-federn gejagt. Diese dienten den Priestern als Kopfschmuck. Allerdings war bei den Azteken die Tötung bei Todesstrafe untersagt, da der Quetzal als Gott verehrt wurde.

Bei den Quiche, einem zu den Maya gehörenden Stamm, existiert die Legende, dass der Quetzal seine rote Bauchseite durch ein Bad im Blut des von den spanischen Eroberern getöteten letzten Königs erhalten habe. Deshalb gilt er bei ihnen als ein Symbol der Trauer um den Verlust ihrer Freiheit.

Eine weitere Legende besagt, dass er sich in Gefangenschaft selbst tötet. Deshalb steht der Quetzal auch für die Freiheit.In Guatemala ist er Wappenvogel. Nach ihm wurde die guate-maltekische Währung als Quetzal bezeichnet.

Mittlerweile gehört er zu den seltensten Vögeln weltweit.

Aufgrund der Vielfalt von trockenen und feuchten Standorten sind in Costa Rica weiterhin Kriechtiere und Lurche in hoher Zahl vertreten. Bei den Kriechtieren wurden bisher 220 Arten nachgewiesen, darunter 162 Schlangenarten. Unter den Lurchen konnten bisher 140 Arten, darunter 20 Giftfroscharten, beobachtet werden.

Zu den bekanntesten zählt der Rotaugenlaubfrosch. Er ist sehr kontrastreich gefärbt: Sein Körper ist hauptsächlich hellgrün, weist aber auch blaue und gelbe Bereiche auf. Die Gliedmaßen tragen eine orange Farbe. Besonders charakteristisch sind die seitlich stehenden Augen mit senkrechter Pupille und leuchtend roter Iris, durch die sein ganzes Auge rot erscheint. Er gehört zu den so genannten Greiffröschen, da er mit seinen Gliedmaßen Zweige und Äste gut umklammern kann. Seine Haut enthält einige Giftstoffe.

Neben den Wirbeltieren existiert eine Vielzahl von Wirbel-losenarten, so geht man zum Beispiel von mehreren hundert-tausend Insektenarten aus.

Besonders auffällig erscheinen die Schmetterlinge, die mit etwa 2.700 teilweise spektakulären Arten vertreten sind.

Während 1950 noch 72 Prozent des Landes von Wald bedeckt waren, waren es Anfang der 1980 er Jahre nur noch 20 Prozent. Bei der damaligen hohen jährlichen Abholzrate war absehbar, dass Costa Rica in kürzester Zeit waldfrei sein würde. Daraufhin wurde ein radikaler Umschwung eingeleitet. Die Regierung stoppte die Abholzung und intensivierte die Wiederaufforstung.

Seit Mitte der 1980 er Jahre gelten die Regeln der nachhaltigen Forstwirtschaft. Mittlerweile beträgt der Waldanteil wieder etwa 51 Prozent.

Parallel dazu wurde das Schutzgebietssystem extrem aus-gebaut. Aktuell stehen rund 26 Prozent der Landesfläche sowie 16 Prozent der territorialen Meeresfläche unter Naturschutz. Es existieren 161 Schutzgebiete der unterschiedlichsten Kategorien, darunter befinden sich 28 Nationalparks, deren Fläche 12 Prozent der Landesfläche ausmacht. Diese Größenordnungen sind weltweit einmalig.

Einige der Nationalparks wurden in die Weltnaturerbeliste aufgenommen.

Ob wir tatsächlich in einer Phase der Klimaerwärmung leben und inwieweit diese Veränderungen durch das menschliche Wirken verursacht werden, ist Inhalt erbitterter Diskussionen. Fakt ist, dass sich über einen längeren Zeitraum gravierende Veränderungen weltweit und auch in Costa Rica ergeben haben.

Die Niederschlagsmengen werden geringer und die Niederschlagsverteilung ändert sich. So nehmen Starkregenereignisse in Verbindung mit Überschwemmungen und Erdrutschen deutlich zu. Die Pazifikküste leidet unter steigenden Temperaturen und zunehmender Trockenheit aufgrund des verstärkten Auftretens des El-Niño-Phänomens.

Alle Tierarten haben sich über viele Jahre an relativ konstante Bedingungen angepasst, aber viele davon, vor allem unter den Lurchen und Kriechtieren, werden die zunehmende Trockenheit nicht überstehen können. Zu den ersten nachweisbaren Opfern dieser Veränderungen zählt etwa der Goldfrosch.

Unter diesen Gesichtspunkten ist das weltweit einmalige, im Dezember 2007 beschlossene Gesetz „Friede mit der Natur“ von besonderer Bedeutung. Mit ihm setzt sich die Regierung das ehrgeizige Ziel, bis zum Jahr 2021 eine ausgeglichene Kohlendioxidbilanz zu erreichen.

Dabei soll dies nicht durch den Kauf so genannter Verschmutzungsrechte oder Kohlendioxidzertifikate erreicht werden, sondern durch Senkung der Emissionen in Industrie, Verkehr und Landwirtschaft, Stilllegung von Kohlekraftwerken und Kohlendioxidbindung durch Weiterführung des Wiederaufforstungsprogramms. Costa Rica deckt heute schon über 90 Prozent seiner benötigten Energiemenge aus regenerativen Quellen.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass Costa Rica seit den 1990 er Jahren trotzdem zu den ökologischen Schuldnerländern zählt. Seit dieser Zeit übersteigt der ökologische Fußabdruck, vereinfacht gesagt der Ressourcenverbrauch, die biologische Kapazität des Landes.

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Seit 1980 hat sich die Bevölkerung Costa Ricas verdoppelt. Außerdem sind die für die Umsetzung der Gesetzgebung verantwortlichen Behörden finanziell und personell nicht entsprechend ausgestattet.
Das öffnet zum Beispiel dem illegalen Tier- und Pflanzenhandel, dem illegalen Holzeineinschlag und Roden von Waldflächen sowie der illegalen Fischerei Tür und Tor.

Die praktische Politik verhält sich leider teilweise entgegengesetzt zu den grundsätzlichen Vorgaben.

Die Landwirtschaft expandiert, speziell der Ananasanbau durch internationale Großkonzerne für den Export. Costa Rica ist eines der Länder mit dem höchsten Pestizideinsatz. Darüber hinaus ergibt sich durch den Flächenbedarf eine zunehmende Konkurrenz zum Wiederaufforstungsprogramm.

Die Regierung setzt stark auf Großprojekte, zum Beispiel riesige Tagebaue, touristische Luxusprojekte und Ölraffinerien ausländischer Investoren, hauptsächlich aus den USA und aus China. Dafür wird teilweise sogar versucht, die bestehende Gesetzgebung anzupassen. Alternative Wirtschaftsformen erhalten hingegen kaum Unterstützung.

Costa Rica besitzt eine wunderbare Landschaft und eine traumhafte Tier- und Pflanzenwelt. Gleichzeitig verfügt es über die global fortschrittlichste Gesetzgebung im „grünen Bereich“ und das anspruchsvollste Klimaschutzziel.

Grundsätzlich sind hier somit die besten Voraussetzungen gegeben, um ein Ökosystem mit unvergleichlicher Artenvielfalt dauerhaft zu erhalten. Dafür ist es jedoch entscheidend, dass der Umweltschutz langfristig gleichberechtigt mit den ökonomischen und sozialen Interessen betrachtet wird und so Wege zu einem nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen gefunden werden.

Sollte dies gelingen, kann Costa Rica ein wichtiges Signal setzen sowie eine Vorbildfunktion für alle anderen Länder nicht nur seiner Region übernehmen. Und wir können weiterhin den Quetzal erfolgreich suchen.

Stand: Oktober 2013
Anmerkung: Die Informationen in diesem Glossar wurden mit größter Sorgfalt recherchiert. Sollte sich dennoch ein Fehler eingeschlichen haben oder inzwischen neue Erkenntnisse hinzugekommen sein, so wären wir dankbar, informiert zu werden.