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Der Biotologe Yann

… baut mit dem Biber

Nach vielen aufregenden Erlebnissen in der Ferne kehrt Yann in seinem letzten Abenteuer heim in die Uckermark. Aber auch zu Hause gibt es für einen Biotologen keine Langeweile: Das Nest seiner Kranich-Freunde im Moor ist trockengefallen und in Gefahr durch hungrige Räuber. Gemeinsam mit dem Biber macht sich Yann deshalb an die große Aufgabe, einen Staudamm zu bauen. Können sie ihn rechtzeitig fertig stellen – und so die Kranichkinder retten?

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Yann erlebte auf seinen Reisen rund um den Globus an vom Klimawandel bedrohten Plätzen für ihn inszenierte Geschichten – und erweiterte sie mit seiner Vorstellungskraft und Kreativität spielerisch zu aufregenden Abenteuern zwischen Fantasie und Wirklichkeit.

Sein Bruder, der Fotograf Jim Gramming, hielt das Geschehen vor Ort mit viel Einfühlungsvermögen in einzigartigen Fotoserien fest. Mit zahllosen spontanen Motivideen erschufen die Reisenden so eine ganz besondere Bildwelt, die mit den erdachten Geschichten eine unverwechselbare Einheit bildet.

2. Kamera, Agnes Gramming-Steinland

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Details

Der Biotologe Yann ... baut mit dem Biber

Hardcover
Format: 28 x 24 cm
Seiten: 48
FSC zertifiziert, 100% Anteil Altpapier

ISBN: 978-3-944275-11-6
Preis: 14,50 €

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Biber

Glossar Uckermark in Brandenburg

kranich

Yann ist ein Jahr lang an verschiedene Orte der Welt gereist. Daraus entstanden zwölf Geschichten. Die von ihm besuchten Landschaften sowie die dort lebenden Tiere und Menschen sind durch die Folgen des Klimawandels und die bedenkenlose Ausbeutung natürlicher Ressourcen in ihrer Existenz bedroht.
Viele der Orte gehören zu den von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichneten Stätten.

Das zwölfte Abenteuer spielt in der Uckermark in Brandenburg, wo die Eiszeit eine wunderbare Landschaft mit Hunderten Seen und Tausenden Mooren hinterlassen hat.

Freund Biber

Die Uckermark ist eine historische Landschaft, die etwa siebzig Kilometer nordöstlich von Berlin beginnt. Sie erstreckt sich über den brandenburgischen Landkreis Uckermark und zu einem kleinen Teil auch über den Landkreis Oberhavel sowie angrenzende Teile Mecklenburg-Vorpommerns. Der Name existiert seit dem Spätmittelalter und bezieht sich auf einen slawischen Stamm, die Ukranen, der hier vom 6. bis zum 12. Jahrhundert gesiedelt hat. Mit 3.058 Quadratkilometern zählt der brandenburgische Landkreis Uckermark zu den flächenmäßig größten Landkreisen Deutschlands. Für europäische Verhältnisse ist er mit 38 Einwohnern pro Quadratkilometer extrem dünn besiedelt.

Die Landschaft ist geprägt durch die letzte Eiszeit, weshalb sie auch als Jungmoränenlandschaft bezeichnet wird. Ein über 2.500 Meter dickes Eisschild schob sich von Skandinavien nach Süden vor und transportierte dabei viel Material wie Steine und Erdreich mit sich.

Vor etwa 12.000 Jahren begann sich das Eis zurückzuziehen und hinterließ eine einzigartige und vielfältige Landschaft. Flächen, die vom Eis bedeckt waren, werden je nach Ausprägung als ebene beziehungsweise kuppige Grundmoräne
bezeichnet. Sie sind in der Regel durch nährstoffreiche Böden gekennzeichnet und werden heute hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt. Die Eisrandlage, die so genannte Endmoräne, ist geprägt durch die Geröllmassen, die das Eis vor sich hergeschoben hat. Zusätzlich fungierte das Eis durch seine Vorwärtsbewegung wie ein Förderband, das immer neues Material vor dem Eisrand abkippte. Mit der Zeit entstand so ein echter Wall, der Endmoränenwall. Charakteristisch sind die vielen Steine, die sich darin befinden und später als allgegenwärtiges Baumaterial dienten. Die Pflasterstraßen aus bearbeiteten Feldsteinen und die Feldsteinkirchen sind geradezu ein Markenzeichen der Uckermark.

Sande, die aus dem vom Eis mitgeführten Material ausgewaschen wurden, bildeten vor dem Eis große Sandflächen, auch Sander genannt. Später lagerte der Wind diese offenen Sandflächen um und türmte zum Teil heute noch erkenn-bare große Dünen auf.

Das Schmelzwasser der Gletscher bahnte sich seinen Weg in großen Urstromtälern. Die Mecklenburgisch-Brandenburgische Seenplatte, die sich bis in die Uckermark erstreckt, ist ebenfalls ein Produkt der Eiszeit. Ihr verdankt die Uckermark unzählige Moore sowie 590 Seen mit einer Flächen-größe von mehr als einem Hektar.

Noch während der Eiszeit stießen Jäger bis an die Eisrandlagen vor. Nach dem Abschmelzen folgten bald die ersten Gruppen von Jägern und Sammlern. Viele Spuren, zum Beispiel Hügelgräber sowie diverse Bodenfunde, zeugen von
einer regelmäßigen Besiedelung seit dieser Zeit.

Das Klima kann als subkontinental beschrieben werden. Der Niederschlag liegt im Mittel bei etwa 550 Millimeter pro Jahr. Die Sommer sind heiß und trocken, die Winter kalt und trocken.

Wirtschaftlich dominieren auf der Fläche die Land- und Forstwirtschaft sowie das angelagerte verarbeitende Gewerbe.
Alljährlich zieht es viele Besucher in die Uckermark. Deshalb stellt der Tourismus einen wichtigen Wirtschaftszweig dar.

Als ein neuer Schwerpunkt hat sich die Energiewirtschaft herauskristallisiert. Sie basiert auf den günstigen Bedingungen für die Nutzung regenerativer Energiequellen wie Biomasse, Wind und Sonne.

Die Standortvielfalt gebiert eine große Artenfülle an Pflanzen. In den Wäldern sind die vorherrschenden Baumarten die Kiefer auf den Sanderflächen sowie die Buche in den Endmoränenbereichen. Während die Buche hier an die östliche Grenze ihres natürlichen Verbreitungsgebietes stößt, kommt die Kiefer nur an wenigen Standorten natürlich vor. Im späten 19. Jahrhundert wurden viele landwirtschaftlich ausgelaugte Böden mit ihr aufgeforstet. Ohne menschliches Eingreifen würden hier zumeist Eichenwälder wachsen.

Weit über tausend höhere Pflanzenarten, wie Orchideen, Wildkräuter und Wiesenblumen, daneben zahlreiche Moose und Flechten, sind in der Uckermark bisher nachgewiesen worden. Aber es ist nicht nur die reine Anzahl der Arten, sondern auch die Häufigkeit, mit der diese Arten vorkommen, die für Deutschland und Europa einmalig ist.

Die vielfältige Landschaft und die reichhaltige Pflanzenwelt bilden den Lebensraum für eine große Anzahl von Tierarten. Nirgendwo sonst in Deutschland ist die Chance so groß, einen der seltenen Fisch-, See- und Schreiadler, den Schwarzstorch oder den Kranich zu beobachten. Etwa Einzehntel des deutschen Bestandes dieser Großvogelarten brütet in der Uckermark. Der Kranich besitzt hier mit 700 Brut-paaren seinen absoluten Brutschwerpunkt in Deutschland. Ab Ende Februar kehren die Kraniche aus Spanien zurück in ihre Brutreviere. Dafür nutzen sie Moore, Verlandungszonen von Seen und Feuchtgebiete in der Feldlandschaft. Wichtig ist eine ausreichende Wasserversorgung ihrer Brutplätze, da ansonsten ihre Brut zu stark von Fressfeinden wie Wildschwein, Fuchs, Waschbär und Kolkraben bedroht ist.

Mitte März werden üblicherweise zwei Eier gelegt. Die jungen Kraniche schlüpfen nach etwa einem Monat und verlassen als Nestflüchter mit ihren Eltern das Nest. Für zwei bis drei Wochen werden die Jungen in der Nähe des Nestes hauptsächlich mit Insekten gefüttert. Ab Mai suchen die Familien dann verstärkt Wiesen und Felder auf. Nach neun bis zehn Wochen lernen die Jungkraniche fliegen. Ab August schließen sie sich mit anderen Familien und nichtbrütenden Vögeln zu großen Schwärmen zusammen. Im Herbst kommen die Zugvögel aus Skandinavien dazu. Im Nationalpark Unteres Odertal sammeln sich alljährlich mehrere tausend Kraniche.

Die hohen Rufe der Jungkraniche in den Schwärmen führten zu der Legende, dass kleinere Singvögel auf dem Rücken der Kraniche mitreisten. Durch sein auffälliges Zugverhalten wurde der Kranich außerdem zum Symbol des immerwährenden Kreislaufs der Natur und hielt Einzug in Mythologie, Kunst, Kultur.

Neben den Großvögeln wurden in den letzten Jahren über 300 Vogelarten in der Uckermark nachgewiesen. Im Frühjahr und Sommer ertönt ein vielstimmiges Konzert von Lerchen, Nachtigall, Pirol und anderen.

Die Säugetiere sind ebenfalls artenreich vertreten. Rehe, Dammhirsche, Hasen, Rothirsche, Wildschweine und Füchse
sind am häufigsten anzutreffen. Auch die Wölfe kehren langsam zurück.

Aufgrund der vielen, zumeist miteinander verbundenen Gewässer sind Fischotter und Biber heimisch. Biber sind mit etwa einem Meter Größe die größten Nagetiere Deutschlands und die zweitgrößten Nagetiere der Welt. Sie leben in Gewässern aller Art. An das Leben im Wasser sind sie mit ihrem Körperbau, ihren Schwimmhäuten zwischen den Hinterfüßen und einem pelzlosen, platten Schwanz, der Biberkelle, hervorragend angepasst. Ein dichter Pelz, der bis zu 24.000 Haare auf dem Quadratzentimeter Körperoberfläche aufweisen kann, sowie ein spezielles Fett, das Bibergeil, mit dem der Pelz immer wieder behandelt wird, schützen den Biber vor Kälte.

Biber sind dämmerungsaktive Tiere, die sich von pflanzlicher Kost ernähren. Um an Blätter, Äste und Baumrinde
heranzukommen, können sie bis zu einem Meter dicke Bäume fällen. In einer Nacht können sie einen Baum mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern durchnagen.

Biber wohnen in Burgen aus Ästen, Stämmen, Steinen und Erdreich. Der Eingang zu ihrer Behausung liegt etwa 60 Zentimeter unter Wasser, der Wohnraum selbst liegt aber oberhalb des Wasserspiegels. Um ein Trockenfallen des Eingangs zu verhindern, bauen Biber Staudämme, mit denen sie den Wasserstand regulieren und so ihren Lebensraum aktiv
gestalten.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert war der Biber in Deutschland durch aktive Bejagung und Landschaftszerstörungen im großen Stil fast ausgerottet. Durch Wiederansiedlungen im 20. Jahrhunderts in Verbindung mit verbesserten Schutzmaßnahmen, konnte sich wieder ein stabiler Bestand entwickeln. In Brandenburg leben aktuell knapp über 2.500 Tiere, davon ungefähr 600 in der Uckermark.

Aufgrund des Gewässerreichtums sind auch Lurche und Kriechtiere weit verbreitet. So besitzt die Europäische Sumpfschildkröte in der Uckermark einige ihrer letzten Refugien.

Vom zeitigen Frühjahr bis in den Frühsommer hinein mischen sich in das Vogelkonzert die Rufe der Frösche, Unken und Kröten. Früh im Jahr legen die Moorfrösche ihr exotisch anmutendes blaues „Hochzeitsgewand“ an. In lauen Nächten des späten Frühjahrs bringen die Rotbauchunken sowie die Laubfrösche die Luft manchmal zum Vibrieren.

Die größte Gefahr besteht in der zunehmenden Industrialisierung der Land- und Forstwirtschaft. Bäuerliches Wissen, zum Beispiel über Fruchtfolgen, spielt in einer im Wesent-lichen zentral von der Europäischen Union gesteuerten Landwirtschaft kaum noch eine Rolle. Äcker und Forsten werden zu reinen Produktionsstandorten degradiert, denen jede Fähigkeit zur Selbstregulation verloren gegangen ist.
Erträge können deshalb vielfach nur noch über einen hohen Einsatz von Fremdstoffen wie Düngemittel und Pestizide eingefahren werden. Damit einher geht eine hohe Belastung des Bodens, des Grundwassers, des Oberflächenwassers und der Luft.

Diese Industrialisierung hat auch einen Verlust an Arbeitsplätzen, einen hohen Wasserverbrauch und die Entwässerung der Landschaft sowie die Beseitigung kleinteiliger Landschaftsstrukturen zur Folge.

Eine Verschärfung der Industrialisierung ergibt sich durch Fehlanreize des erneuerbaren Energiengesetzes. Die grundsätzlich begrüßenswerte Förderung der Nutzung erneuerbarer Energiequellen droht, sich durch eine ungenügende Beachtung der volkswirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Zusammenhänge in ihr Gegenteil zu verkehren. Unter anderem trägt sie zu einer rasanten Steigerung der Bodenpreise bei.

Im Gegenzug werden nachhaltige Bewirtschaftungsformen nicht optimal gefördert und zunehmend durch diese Preissteigerung belastet.

Weitere Gefährdungen bestehen durch unsachgemäße Ausübung der Jagd und der Fischerei sowie der Zersiedelung und Zerschneidung von Landschaftsräumen.

Die Uckermark ist der einzige Landkreis Deutschlands, der alle drei Großschutzgebietskategorien auf seinem Territorium vorweisen kann.

Im Osten begrenzt der Nationalpark Unteres Odertal die Uckermark. Mit dem Unteren Odertal wird eine der letzten
naturnahen Flusslandschaften Deutschlands geschützt. Seine besondere Bedeutung besitzt er als Rastplatz für Zugvögel. Zeitweilig rasten hier bis zu 200.000 Vögel, vor allem Gänse, Kraniche und Enten.

Im Süden erstreckt sich das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, eines der größten Schutzgebiete Deutschlands, über weite Teile der Uckermark. Riesige Wälder, viele Seen,
unzählige Moore und eine reich strukturierte Feldlandschaft bilden den Kern einer harmonischen Kulturlandschaft. Das Biosphärenreservat ist ein Experimentierfeld für nachhaltiges Wirtschaften unter besonderer Berücksichtigung der Schutzwürdigkeit der Natur sowie der kulturellen Traditionen.

Fast den gesamten Nordwestteil des Landkreises nimmt der Naturpark Norduckermärkische Seenlandschaft ein. Wie im Biosphärenreservat bilden Wälder und Felder, Seen und Moore ein wundervolles landschaftliches Kaleidoskop.

Nirgendwo sonst in Europa ist die Siedlungsdichte des Fischadlers so groß, wie in diesem Naturpark.

Ungefähr 60 Prozent der Fläche des Landkreises besitzt damit einen besonderen Naturschutzstatus.

Die Uckermark hat den Bundeswettbewerb „Nachhaltige Tourismusregionen in Deutschland“ 2012/2013 gewonnen. Viele kleine Initiativen sind entstanden, die darauf abzielen, regionale Kreisläufe wiederzubeleben.

Diese Ansätze sind vielversprechend und haben das Potenzial, die Uckermark langfristig zu einer ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig wirtschaftenden Beispielregion zu entwickeln. Voraussetzung für einen anhaltenden Erfolg aller Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung ihrer Flora und Fauna ist es jedoch, die einheimische Bevölkerung, Touristen sowie Wirtschaftsunternehmen dafür zu sensibilisieren – zu verdeutlichen, welchen Wert ein natürliches Gleichgewicht im Ökosystem Uckermark für die Zukunft der Region hat.

Wenn dies gelingt, können sich auch unsere Kinder und Kindeskinder noch von den Rufen der Kraniche, den Baukünsten des Bibers und der Stille im Moor verzaubern lassen.

Stand: Oktober 2013
Anmerkung: Die Informationen in diesem Glossar wurden mit größter Sorgfalt recherchiert. Sollte sich dennoch ein Fehler eingeschlichen haben oder inzwischen neue Erkenntnisse hinzugekommen sein, so wären wir dankbar, informiert zu werden.