1 2 3 4

Der Biotologe Yann

… taucht mit einem Clown

Yanns zehntes Abenteuer beginnt geradezu traumhaft: Er erwacht auf einer Palme, erkundet den weißen Strand beim Great Barrier Reef und entdeckt im flachen Wasser süße kleine Fische. Ganz klar – hier muss ein Biotologe tauchen gehen! Gut, dass er den Clownfisch zum Freund hat. Der zeigt ihm das Korallenriff samt seiner Bewohner und bringt ihm lustige Kapriolen unter Wasser bei. Aber Vorsicht: Hier sind auch fiese Barrakudas und Haie unterwegs …

fisch1
Jim Gramming - Great Barrier Reef

Yann erlebte auf seinen Reisen rund um den Globus an vom Klimawandel bedrohten Plätzen für ihn inszenierte Geschichten – und erweiterte sie mit seiner Vorstellungskraft und Kreativität spielerisch zu aufregenden Abenteuern zwischen Fantasie und Wirklichkeit.

Sein Bruder, der Fotograf Jim Gramming, hielt das Geschehen vor Ort mit viel Einfühlungsvermögen in einzigartigen Fotoserien fest. Mit zahllosen spontanen Motivideen erschufen die Reisenden so eine ganz besondere Bildwelt, die mit den erdachten Geschichten eine unverwechselbare Einheit bildet.

kugelfisch
Zur Fotogalerie

Details

Great Barrier Riff

Hardcover
Format: 28 x 24 cm
Seiten: 48
FSC zertifiziert, 100% Anteil Altpapier

ISBN: 978-3-944275-09-3

Preis: 14,50 €

Zum Shop
fisch3

Glossar Great Barrier Reef in Australien

hai

Yann ist ein Jahr lang an verschiedene Orte der Welt gereist. Daraus entstanden zwölf Geschichten. Die von ihm besuchten Landschaften sowie die dort lebenden Tiere und Menschen sind durch die Folgen des Klimawandels und die bedenkenlose Ausbeutung natürlicher Ressourcen in ihrer Existenz bedroht.

Viele der Orte gehören zu den von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichneten Stätten – so auch das Great Barrier Reef in Australien, an dem Yanns zehntes Abenteuer spielt.

10. Abenteuer am Great Barrier Riff

Das Great Barrier Reef ist das größte Korallenriff der Welt sowie die größte lebende Struktur überhaupt. Es ist die einzige
lebendige Struktur, die man auch aus dem Weltall erkennen kann. Das Great Barrier Reef befindet sich vor der Küste des nordöstlichen australischen Bundesstaates Queensland. Dort erstreckt es sich auf einer Länge von 2.300 Kilometern und einer Breite zwischen 40 und 150 Kilometern. Die Länge entspricht der Entfernung von Berlin bis Madrid. Es umfasst eine Fläche von annähernd 350.000 Quadratkilometern und erreicht damit fast die Größe Deutschlands. Die Entfernung von der Küste beträgt zwischen 70 und 250 Kilometern.

Das Great Barrier Reef ist keine durchgängige Struktur, sondern unterteilt sich in annähernd 3.000 einzelne Korallenriffs und besitzt etwa 900 Inseln. Zur Küstenseite ist das Wasser relativ flach, zur Seeseite fällt der Meeresboden sehr steil ab.

Der Beginn der Riffbildung in den nördlichen Teilen reicht mehrere hunderttausend Jahre zurück. Sein Gros erfolgte
jedoch erst nach der letzten Eiszeit, seit 10.000 Jahren. Das gesamte Riff liegt in der tropischen Klimazone, mit entsprechend hohen Temperaturen, starken Niederschlägen in der Regenzeit sowie heftigen Stürmen.

Wieso lebendig? Und was ist überhaupt ein Korallenriff?

Korallenriffe werden durch Tiere, hauptsächlich Stein- und Feuerkorallen aufgebaut. Dabei handelt es sich um Nesseltiere, wirbellose Tiere, die mit ihren Nesselzellen über einen besonderen Zelltyp verfügen, der eine große Bedeutung für den Beutefang beziehungsweise bei der Abwehr von Feinden besitzt. Diese Nesselzellen beinhalten ein Gift, welches bei Menschen zu denselben Symptomen wie bei dem Berühren einer Brennessel führen kann. Zu den Nesseltieren gehören auch die Seeanemonen und die Quallen.

Etwa 360 Arten konnten bisher nachgewiesen werden.
Allen Arten ist gemein, dass sie sessile, also auf einem harten Untergrund festsitzende Tiere sind, die Kalzium Ca++ und Salz (HCO3) aus dem Wasser aufnehmen und Kalk ( CaCO3) ausscheiden. Bei dieser chemischen Reaktion entstehen
außerdem Wasser und Kohlendioxid. Die Kalkbildung ist bei den einzelnen Arten sehr unterschiedlich und reicht von wenigen Millimetern bis zu dreißig Zentimetern im Jahr. Es wird geschätzt, dass von allen Kalkbildnern weltweit jährlich etwa eine Milliarde Tonnen Kalk produziert wird.

Die Korallen gehen eine Symbiose mit einzelligen Algen, den Zooxanthellen, ein. Beide Partner profitieren vom
Zusammenleben. Die Algen finden im Korallenkörper Schutz und nutzen das bei der Kalkbildung entstehende Kohlendioxid für ihre Photosynthese. Die bei der Photosynthese gebildeten Kohlenhydrate wiederum tragen wesentlich zur Ernährung der Korallen bei. Ansonsten ernähren sich Korallen vom Plankton, das sie mit Hilfe ihrer Tentakel fangen. Einige
Arten erbeuten auch kleine Fische.

Da der Kalkbildungsprozess eine chemische Gleichgewichtsreaktion darstellt, begünstigen die Algen durch den Entzug des Kohlendioxids die Kalkbildung. Die Kalkbildungsrate wird so um etwa das Zehnfache gesteigert. Doch die Algen benötigen für ihre Existenz Sonnenlicht und eine Wassertemperatur von zwischen 20 und 29 ° C. Das beschränkt das Vorkommen der Feuer- und Steinkorallen auf Flachwasserbereiche innerhalb eines Gürtels rund um den Äquator.

Steinkorallen sind in einer Vielzahl von Arten vertreten.

Je nach Art können sie einen Durchmesser von wenigen Millimetern bis zu 50 Zentimetern erreichen. Einige Korallen können bis zu tausend Jahre alt werden. Steinkorallen leben selten einzeln, häufiger in Kolonien aus Tausenden Tieren zusammen.  Ihre Formen- und Farbvielfalt ist fantastisch. Verantwortlich für die Farbigkeit sind die Zooxanthellen bzw. fluoreszente Proteine im Körpergewebe der Korallen.

Korallen können sich zweigeschlechtlich vermehren, eingeschlechtlich durch Jungfernzeugung (Selbstbefruchtung) und ungeschlechtlich zum Beispiel durch Teilung oder Knospung. Die zweigeschlechtliche Befruchtung kommt am häufigsten vor. Ein unglaubliches Schauspiel ist das massenhafte Ablaichen der Korallen: Völlig synchron geben alle Korallen einmal im Jahr ihre Eier und Spermien in das umgebende Wasser ab, wo die Befruchtung der Eier erfolgt. Die Eier und Spermienbündel erscheinen dabei in vielen bunten Farben. Deshalb wird auch von einer „Korallenblüte“ gesprochen. Dieses Ereignis findet im November statt.

Das Riff stellt eines der komplexesten und produktivsten Ökosysteme der Welt dar, das von einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren besiedelt beziehungsweise genutzt wird. So konnten bisher 1.625 Fischarten nachgewiesen werden,
davon 1.400 Arten, die ausschließlich in Korallenriffen vorkommen, über 3.000 Schnecken- und Muschelarten, über 1.500 Krebsarten, über 1.500 Arten von Schwämmen, 630 Arten von Seesternen und Seegurken, 450 Arten von Hartkorallen, 150 Arten von Weichkorallen und Seefedern, über 40 Arten von Seeanemonen, etwa 130 Quallenarten, 13 Seeschlangenarten und 215 Vogelarten.

Die Korallenriffe sind der Lebensraum für das Salzwasserkrokodil, für eine der weltweit größten Populationen von See-kühen und sechs der weltweit sieben Arten von Meeresschildkröten. Jedes Jahr ziehen Tausende Buckelwale zum Riff, um hier ihre Jungen zu gebären. Die Korallen bieten auch vielen kleinen Tieren Schutz. Dazu gehört zum

Beispiel das Grüne Schwalbenschwänzchen, eine kleine Riffbarschart, die farblich zwischen Grün- und Blautönen variiert.

Spätestens durch den Kinofilm „Findet Nemo“ sind die Anemonenfische, nach ihren bekanntesten Vertretern auch Clownsfische genannt, weltweit bekannt geworden. Auch sie gehören mit ihren weltweit 29 Arten zu den Riffbarschen. Sie erreichen eine Größe von etwa zehn Zentimetern. Durch ihre auffällige Färbung können sie sich gegenseitig erkennen. Ihren Namen haben sie erhalten, da sie immer in Symbiose mit Seeanemonen leben. Die Anemonenfische gehören nicht zu den wendigsten Schwimmern, sodass ihnen die Seeanemone Schutz vor ihren Feinden bietet. Umgekehrt schützen die Anemonenfische ihren Symbiosepartner vor Fressfeinden wie Falter- und Feilenfische. Vor dem Nesselgift der Seeanemonen sind sie durch eine dicke Schleimschicht geschützt. Selten entfernen sie sich von ihrer Wirtsanemone, und wenn, dann nur wenige Meter.

Aus dem Riff sind bisher 133 Arten von Knorpelfischen, also Haie und Rochen bekannt geworden. Im Unterschied zu den Knochenfischen besteht ihr Skelett aus Knorpeln.

Heute leben weltweit noch etwa 500 Hai- sowie etwa ebenso viele Rochenarten. Sie besiedeln nahezu jeden Lebensraum im Meer, von der Tiefsee bis hinein in das Süßwasser der Flussmündungen. Es gibt bodenbewohnende Arten und freischwimmende Arten, die sich von Kleinstlebewesen oder von Muscheln ernähren, und große Jäger. Bei den Haien
reicht das Spektrum im Riff vom kleinen Epaulettenhai bis zum größten Fisch der Welt, dem Walhai. Haie haben tatsächlich einen „siebten Sinn“, die Lorenzinischen Ampullen, mit deren Hilfe sie elektrische Felder wahrnehmen können. Da jedes Tier ständig elektrische Felder zum Beispiel durch seinen Herzschlag, seine Muskelbewegungen oder sein Gehirn produziert, können sie mit diesem zusätzlichen Sinn ihre Beute noch besser aufspüren. Sie besitzen eine große Bedeutung für die Ökosysteme der Meere, da sie für gesunde Populationen sorgen und eine unkontrollierte Entwicklung vieler anderer Fischbestände verhindern.

Das Riff ist ein lebendiger Organismus. Als solcher befindet er sich in einem dynamischen Gleichgewicht. Deshalb sind Veränderungen auch auf natürlicher Basis durchaus normal. Die von den Menschen bedingten Einflüsse besitzen allerdings andere Dimensionen.

Eine kontinuierliche Beobachtung des Riffs setzte erst 1980 ein. Trotzdem kann man dank Untersuchungen an den abgestorbenen Bestandteilen des Riffs in ein Archiv eintauchen, welches einen Blick in eine 2.000 Jahre zurückreichende
Vergangenheit erlaubt.

Während die Aborigines, die australischen Ureinwohner, nachhaltig mit dem Riff umgingen, lassen sich mit der
Niederlassung der ersten weißen Siedler Ende des 19. Jahrhunderts deutliche Spuren von Veränderungen ablesen.
Deren Dynamik hat sich bis heute fortgesetzt: In den letzten dreißig Jahren hat das Riff die Hälfte seiner Korallen ver-loren.

Bis vor wenigen Jahren stellten die Nährstoffeinträge aus der hochintensiven Landwirtschaft sowie aus Abwässern das größte Problem für das Riff dar. Diese führten unter anderem zu einem starken Wachstum von Algen. In Verbindung mit hohen Sediment- und Schwebstoffeinträgen kann in der Folge das Sonnenlicht nur noch in die obersten Wasserschichten eindringen, was die Photosynthese der Algen unterbindet oder behindert.

Heute bilden die Meerwassererwärmung infolge der globalen Klimaveränderungen sowie die Versauerung der Meere infolge des hohen Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre die größten Gefährdungen für das Riff. Bei Erwärmung der Wassertemperatur auf ca. 30 °C können die Algen nicht mehr existieren und sterben ab oder werden von der Koralle
ausgestoßen. Jede Beeinträchtigung führt aber dazu, dass die Nährstoffversorgung der Korallen unterbunden und ihr Kalkbildungsprozess erschwert wird. Durch die Versauerung wird die Kalkbildung zusätzlich vermindert.

Als ein sichtbares Ergebnis der sehr komplexen Zusammenhänge tritt eine so genannte Korallenbleiche ein, die zum Absterben der Korallen führen kann. Weitere Gefährdungen entstehen durch Überfischung, verstärkte Schiffsbewegungen, nicht nachhaltige touristische Aktivitäten sowie die Rohstoffgewinnung wie zum Beispiel Erdölförderung.

Besorgt über den Zustand des Riffs, seine Wasserqualität, die anhaltenden Bautätigkeiten und das mangelnde Engagement der australischen Bundesregierung sowie der Regionalregierung von Queensland, hat die UNESCO nach mehrmaligen Ermahnungen Australien im Jahr 2013 offiziell verwarnt. Das Great Barrier Reef wird 2014 auf die Liste der bedrohten Welterbestätten gesetzt werden, wenn nicht von Seiten der Regierung energische Maßnahmen zu seinem Erhalt ergriffen werden.

Das australische Schutzgebietssystem ist ausgesprochen umfangreich. Das Great Barrier Reef ist Teil dieses Systems und steht als National Marine Park unter Schutz. Für die Verwaltung und das Management des Parks existiert eine Bundesbehörde, die Greet Barrier Reef Marine Park Authority. Diese arbeitet eng mit dem Queensland Parks and Wildlife Service zusammen.

Weitere Aufgaben dieser Behörden bestehen in der wissenschaftlichen Erforschung des Riffs, der Umweltbildung sowie der Organisation der kommunalen Zusammenarbeit für eine nachhaltige Nutzung des Riffs.

Im Jahr 1981 wurde das Gebiet zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Bei nachhaltiger Nutzung kann das Riff permanent einen hohen wirtschaftlichen Ertrag einspielen: Der Tourismus im Zusammenhang mit ihm sichert annähernd 70.000 Arbeitsplätze und trägt mit über fünf Milliarden australischen Dollar zum Bruttosozialprodukt bei. Auch aus dieser Erkenntnis heraus haben sich einige Initiativen zum Erhalt des Riffs aus der Wirtschaft heraus gegründet

Nach der Verwarnung durch die UNESCO hat die australische Premierministerin erklärt, das Great Barrier Reef als Weltnaturerbe und für die australische Nation erhalten zu wollen. Dazu hat sie für Projekte zur Wasserreinhaltung umgerechnet etwa 157 Millionen Euro bewilligt. Stellt man das allerdings in Verhältnis zu den Kosten für nur eines der anstehenden gigantischen Großprojekte, sind Zweifel durchaus angebracht: Beispielsweise soll ein Casinoprojekt auf einer künstlichen Insel über dem Riff mindestens 2,3 Milliarden Euro und damit fast fünfzehn Mal mehr
kosten!

Letztendlich kann ein einzelnes Land, sei es auch noch so groß oder reich, angesichts der globalen Klimaveränderungen allein nicht mehr erfolgreich agieren. Erforderlich ist ein allgemeines Bewusstsein für Nachhaltigkeit der weltweiten Zivilgesellschaft sowie ein entsprechend energisches Handeln der sie vertretenden Regierungen.

Stand: Oktober 2013
Anmerkung: Die Informationen in diesem Glossar wurden mit größter Sorgfalt recherchiert. Sollte sich dennoch ein Fehler eingeschlichen haben oder inzwischen neue Erkenntnisse hinzugekommen sein, so wären wir dankbar, informiert zu werden.